Spessart by Wolfgang Häcker

 

Bremsen !?!

Diese Geschichte ist für den besonders amüsant, der die Lokalitäten kennt. Das Stilfser Joch ist DIE Bergstraße, die Bremsanlagen am meisten beansprucht. Selbst die Industrie fährt zu Tests dorthin. Es ist auch eine der höchsten Pass-Straßen die es im Alpenraum gibt, mit herrlichen Panoramen und abenteuerlicher Straßenführung - Kehre an Kehre und immer dem Abgrund nahe.

Also: Vier lustige Gesellen machten ein paar Tage Urlaub. Sie fuhren mit Härtners grünen Mazda in die Berge.
Das Fahrzeug wurde vor dem Ausflug noch selbst vom Fahrer durchgecheckt, damit nichts unvorhergesehenes passieren kann, sehr zum Wohlwollen der Mitfahrer. Man wähnte sich in absoluter Sicherheit und nahm selbst anspruchsvolle Touren in Angriff.

So auch das legendäre Stilfser Joch. Nach der Paßhöhe, auf dem Rückweg, nach einigen Kehren, trat Härtner beim Bremsen ins Leere. Keine Bremskraft wurde vom Pedal auf die gerade jetzt lebensnotwendigen Verzögerungseinrichtungen übertragen.

Werner, der Beifahrer erkannte sofort die Brisanz der Situation und zog die Handbremse mit aller Kraft. Man muß hier noch erwähnen, daß er wirklich viel Kraft hat, nichts antrainiertes, reine Veranlagung, einfach ein Bär. Diese Natur-Kraft war aber für das Handbremsseil, in diesem Zusammenhang hätte man es auch Not-Fallschirm bezeichnen können, schlichtweg zuviel. Der Handbremshebel zeigte rack in Richtung Himmel und die erhoffte Verzögerung blieb aus.

Härtner registrierte das Geschehen im Augenwinkel und seine wenige noch vorhandenen Haare standen zu Berge. Er liebte sein Auto sehr.... und nun blieb nur noch der Weg in die Mauer - reiner Selbsterhaltungstrieb!

Mit grausigen Geräuschen kam das Fahrzeug dann zum Stillstand. Große Erleichterung machte sich breit, war man dem sicheren Tod noch mal von der Schippe gesprungen.

Doch was nun? Man kann ja nicht ewig hier bleiben. Das Auto muß wieder in einen betriebsbereiten Zustand versetzt werden. Also mal einen Blick in die Technik werfen, warum und was versagt hatte.

Unter der Motorhaube fanden sich zwei Behälter für Hydraulikflüssigkeiten. Der eine war leer, unnötig zu erwähnen, daß dieser wohl zur Bremsanlage gehörte, der andere randvoll. Diesen, nun erkennbar zur Kupplung gehörenden, hatte der Fahrzeugbesitzer tüchtig aufgefüllt, im Glauben es sei der Bremsflüssigkeitsbehälter....

So hat man dann, auf ca. 2500 Meter über NN, auf der Straße, bzw an der Mauer, die Bremsanlage entlüftet und das Handbremsseil, sicher ist sicher,  notdürftig geflickt. Sie setzten die Reise ohne weitere Vorkommnisse fort, in der Gewissheit, ein wirklich unvergessliches Erlebnis gehabt zu haben.




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