Spessart by Wolfgang Häcker

 

In der Schlangengrube

Mein Kumpel Jogi hatte Anfang der 80er Jahre einen Job in der Schweiz bekommen. Eine Kernkraftwerkbaustelle nahe der deutschen Grenze. Mit dem Handwerklichen hat er es normalerweise nicht so, als gelernter Kaufmann. Es hat uns schon etwas verwundert, dass das damals geklappt hat – aber na ja.

Er fand auch schnell Anschluss an die einheimische Bevölkerung. Maya hieß das nette Mädel, zu dessen Herz er Zugang gefunden hatte. Sie wohnte auf einem landwirtschaftlichen Anwesen, das von mehreren jungen Leuten gleicher Gesinnung bevölkert wurde. Eine Wohngemeinschaft im klassischen Sinne. Da war es natürlich kein Problem den Jogi mit zu integrieren.

Unsere Freunde aus dem Urlaub ( siehe Geschichte Yugoslawien ) veranstalteten eine Party und luden uns auch ein. Jogi bestand darauf, dass ich bei Ihm und Maya nächtigte. Wir hatten ein lustiges Fest und dann war es mir ziemlich egal, wo mein Nachtquartier ist. So sind wir dann von Bad Säckingen aus nach Murg in der Schweiz gefahren.

Ja da ist ja eine Grenze mit Personen Kontrolle - Oha! Eine Ähnlichkeit mit den Bildern in unseren Pässen war zu dem Zeitpunkt nicht mehr gegeben. Die Grenzbeamten hatten um diese Uhrzeit auch keinen Nerv sich mit uns rumzuärgern. Mein Hinweis: "Das bin Ich (lall) !" mit Fingerdeut auf das Bild im Pass rief Kopfschütteln hervor. Man wollte keine alkoholisierten Deutschen einreisen lassen. Beherztes zureden von Maya entschärfte die Situation..."Sind normalerweise nette Kerle....Party in Säckingen....Meine Gäste....Morgen ist wieder alles in Ordnung!". Jogi beschäftigte mich unterdessen, damit ich nicht ständig dem Zöllner meinen Ausweiß unter die Nase hielt mit dem bereits erwähnten Text:" Das bin Ich!" und Finger-deut-auf-Bild natürlich. Ok, er winkte ab und wir hatten diese Hürde genommen.

Angekommen auf dem Bauernhof wies man mir ein Sofa im Wohnzimmer zu. Prima! In dem Raum standen etliche Terrarien – das sind Aquarien ohne Wasser. Glaskästen für Tiere, speziell Amphibien. War momentan egal, ich mach denen nix und die sind im Glaskasten – kein Problem. Und Abgeratzt!

Es mag so gegen 10 Uhr morgens gewesen sein, als ich durch Blasendruck erwachte. Füße hoch und nach links vom Sofa geschwenkt. Da fiel mein Blick auf einen Igel. Dieser befand sich lediglich einen Zentimeter neben meinem besockten Fuß. Wow - Das war knapp! Sapperlot, was es hier alles gibt. Zurück vom Blasen – entleeren fielen mir die Terrarien auf – mal nachschauen ob da noch alles im Lot ist, wenn schon ein Igel hier frei rumläuft! Ja hier ist noch alles klar, hier auch, da ebenso, usw... Aber Hier konnte ich nichts entdecken. Da ist nichts drin! Aufschrift: Klapperschlange. Wirklich nichts drin? - Wirklich nichts drin! – ALARM! Ich stand sofort wie eine Ballerina auf den Zehenspitzen und hüpfte in Richtung Türe. Mit lautem Rufen tat ich Kund, dass es ein Problem gab. Alle Bewohner des Hauses kamen aus ihren Zimmern geschossen und schauten besorgt zu mir hernieder (Schlafzimmer waren im Obergeschoss). Bis der verschlafen wirkende Eigentümer der Reptilien erschien und beschwichtigend mitteilte: " die hab ich doch gestern verkauft....."

Und so konnte noch einige Zeit beruhigt auf dem Sofa verbracht werden. Dann war halt Trubel in der Bude, weil die anderen Bewohner nicht erst um 5.00 Uhr in der Frühe zu Bett gegangen waren. Die waren halt fit und wach, munterten einem auf zum Frühstücken, obwohl es mir gar nicht danach war.

Während der Morgenmahlzeit kam das Gespräch auf die Reptilien und man zeigte mir auch noch das junge Krokodil unter dem Ofen.

Ach wie niedlich! Ein Baby – Kroko! Ich wollte mit dem Finger so kuzi kuzi hinlangen, da meinte einer energisch, recht laut: "NICHT!" Er hielt dann als Erklärung ein Holzstück hin und das kleine Krokodil biss mit seinen winzigen, aber höllisch spitzen Zähnen da rein. Man konnte es sich richtig vorstellen, wie das Blut da spritzt, wenn es ein Finger gewesen wäre.

Jogi und ich wandten uns den Terrarien zu. Die Kobra zog unser Interesse auf sich. Sie stand aufrecht in Ihrem Glaskasten und schaute uns bewegungslos an. Na, da wollen wir ja mal eine Regung hervorrufen! Mit – dem – Finger – an – die – Scheibe – klopf. Plötzlich zuckte das Tier in unsere Richtung, mit solch einer Geschwindigkeit, dass uns fast das Herz stehen blieb – wohl wissend, dass eine Glasscheibe dazwischen ist!

Ich schnürte nach dann das Gepäck und fuhr nach Hause.

Mein Bedarf an Schlangen und Reptilien war für die nächsten 20 Jahre gedeckt.

 

 

 

 



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