Spessart by Wolfgang Häcker

 
Die Benzini Story

 
 
 
 

Die Benzini Story

Ein besonderes Highlight der Bikersaison war die Fahrt an die Mosel. Jedes Jahr an Ostern Zelten wir in einem Tal zwischen Alf und Bad Bertrich. An der Straße stand, mutterseelenallein, eine Gaststätte, gegenüber ist eine große Wiese, an einem Bach. An diesem idyllischen Platz stellten wir unsere Zelte auf. 

Der Club fuhr meist Freitagsnachmittags weg. Mein Geschäft erforderte auch Samstags meine Anwesenheit. Daher kam ich meist erst Samstagmittags nach. Dieses Osterwochenende, tolles Wetter war obendrein, nutzte ich mehrfach. Mein Weg führte nicht direkt an die Mosel, sondern über KoblenzMayen an den Nürburgring. Nach einigen flotten Runden um die Nordschleife, (wah! So richtig was zum Austoben – Vollgasimmer am Limit! Einfach genial! Es kommt einem keiner entgegen, man kann die ganze Fahrbahn nutzen) lenkte ich mein Gefährt halt von Norden her zu unserem Zeltplatz. Durch übermäßige Beanspruchung meines Vehikels hatte sich eine Krümmerschraube gelöst und verabschiedet. Bei meinen Kumpels angekommen, erkundigte ich mich, ob jemand eventuell eine passende Schraube dabei hat. Keiner, aber man gab mir den Tip, ich sollte doch mal Psycho fragen. Psycho ? – ja der Wirt von der Kneipe da drüben. Aha! Ich begab mich dorthin mit meinem Anliegen. Der Gastronom war sehr nett, bemühte sich, aber konnte mir auch nicht weiterhelfen. Gut, einen kleinen Sprachfehler hatte er schon, aber Psycho? 

„He Leute, warum nennt ihr ihn Psycho?“ „Schau dich doch mal um! Hier gibt es weit und breit nichts außer diesem Hotel (stimmt, Fremdenzimmer gab es auch) und er wohnt alleine mit seiner Mutter darin!“ oh, alles klar! Hitchcok läßt grüßen.

Abends war dann Lagerfeuerromantik angesagt. Man saß um die Feuerstelle und erzählte Geschichten wie diese, trank dabei einige Bierchen, usw. Hudson hatte ein Paket Armeeverpflegung dabei und bekam die Käsedose nicht auf. Resigniert warf er sie ins Feuer. Achtung, was diese unbedeutende Handlung auslöste:

Nach kurzer Zeit zerplatzte die Dose mit einem lauten POFF, was bei den Umsitzenden Heiterkeit auslöste: eh Geil! Mosko mußte nun sein Deospray opfern („hilft sowieso nix“) Der Zerknall von Moskos Geruchsverbesserer war schon besser als die Käsedose, aber es mußte doch noch eine Steigerung geben? Im Bordwerkzeug hatte ich eine Pressluftpatrone, um im Pannenfall den Reifen aufzupumpen. Diese brauchte zwar etwas länger, kam dafür aber um so gewaltiger! Die Krönung des Abends war aber Brothers Camping-Gas-Kartusche. 200g Buthangas gaben nicht nur einen lauten Knall, sondern auch einen beeindruckenden Feuerball! Gerne hätten wir weitergemacht, aber es gab halt nur eine Kartusche.

Am nächsten Morgen fuhren wir auf einen offiziellen Campingplatz, wo man auch Sonntags Gas Kartuschen kaufen konnte. Es soll ja ein lustiger Abend werden! Alkoholische Getränke gabs dort auch! Wir nutzten den Tag für einen Ausflug zum „Ring“ (Nürburgring). Dort gibt es eine Ecke, genannt Adenauer Forst, die ist einfach genial! An diesem Tag war die Strecke für jedermann offen - gegen Gebühr. Touristenfahrt wird so etwas genannt. Hinz und Kunz drehen dann hier eine schnelle Runde (ca. 20 Kilometer!). Diese Stelle ist aber besonders interessant: Die Bahn kommt den Hügel hoch, macht genau auf der Kuppe eine links / rechts Kurve. Von den Zuschauerplätzen aus sieht das alles sehr einfach aus, aber der Pilot sieht nur die Bahn oben am Horizont verschwinden. Kenner können an den Anbrems-Schildern rechts am Streckenrand erkennen, daß eine Kurve kommt. Aber der unbedarfte Tourist ahnt nicht was auf ihn zukommt. Es ist beeindruckend anzusehen , wenn die Augen des Piloten sich weiten, die Finger das Lenkrad umkrampfen, als wollte er mit der Kraft seiner Hände das ganze Fahrzeug um die plötzlich auftauchende Kurve zerren. Er weiß es zwar nicht, doch er könnte einfach geradeaus fahren, nur 100 Meter über die Wiese, und er ist wieder auf der Strecke. Man versucht halt verzweifelt dem Streckenverlauf zu folgen, was meist einen „Dreher“ zur Folge hat. Das Fahrzeug wirbelt von der Bahn, über die nicht mehr vorhandene Wiese, und kommt dann zum Sillstand. Dem Fahrer und seinen Passagieren fällt in diesem Moment ein Stein vom Herzen, der Adrenalinspiegel ist auf einem Höchststand -nun nimmt er seine Umwelt wahr und sieht ca. 200 Leute Klatschen und Johlen. Allgemeine Heiterkeit auf der Tribüne....

Es gibt da noch besondere Profis, die werden in einer separaten Geschichte beschrieben.

Am Abend war dann wieder das Lagerfeuer und die damit verbundene Romantik angesagt. Recht spät in der Nacht wurde diese dann unterbrochen, als Brother sich an die Gas-Kartuschen erinnerte. Müde vom Tag und vom Bier saßen wir um unser Feuerchen herum, da flog plötzlich Etwas über unsere Köpfe direkt in die Glut, akustisch begleitet von einem charakteristischen: „HÖHÖHÖ!“ Ah, Aufstehen und von der Feuerstelle entfernen war nun ein Muß! Kurz danach gab es den herrlichen BUMM und ein Feuerball stieg in den Nachthimmel. War ja ganz lustig, und dann nahm man wieder seinen Platz ein. Dieses Procedere wiederholte sich schließlich alle 10 Minuten und wurde der nicht-pyrotechnisch-begeisterten-Allgemeinheit langsam lästig.„HÖHÖHÖ“ „ Nicht schon wieder!“ Aber es blieb keinem erspart, seinen Hintern zu erheben – so mutig war man doch nicht – es war ja bekannt, wie die Wirkung ist. Bei jeder Explosion wurde etwas Glut weggeschleudert. Schließlich war kein Feuer mehr da! Dies steigerte den Unmut der Anwesenden: „Eh du Arsch! Was jetzt? Mach was!“ Schuldbewußt kümmerte sich Brother, mit meiner Unterstützung, eiligst das Problem zu beseitigen. Ein paar Baumstämme auf die erloschene Feuerstelle, einen Reservekanister Benzin dazu, und los geht’s. Brother schüttete den kostbaren Sprit über die Balken und zündete ihn an. WUFF, schon brannte alles lichterloh, aber es schien nach kurzer Zeit wieder auszugehen. Da muß man natürlich nachgießen! Und schon wanderten die Flammen hoch zum Kanister. Das sah toll aus, wie wenn blankes Feuer aus dem Kanister fließen würde. Brother bewegte nun den Behälter schwungvoll nach rechts und links. Alles stand in Flammen. Ein beeindruckendes Szenario bot sich unseren Augen. Ein Flammenmeer und mitten drinnen Brother, mit einem Kanister in der Hand, an dessen Ausgußöffnung kleine Flammen züngelten. Er betrachtete zufrieden sein Werk und blies einfach, wie man eine Kerze aushaucht, den Kanister aus. Akzeptable Leistung!

Ich hatte inzwischen die Videokamera geholt. Solche Bilder muß man festhalten. Doch das Benzin ist halt schnell abgefackelt. Mit dem aufmunternden Zuruf:“ Hey Brother! Mehr!“ wurde er animiert, das Geschehene zu wiederholen. Aber jetzt gab er richtig Gas! Umherlaufend schwenkte er den Kanister hin und her, hoch und runter, mit dem Ergebnis, daß die gesamte Umgebung in Flammen stand, inklusive seiner Hose, über die auch ein Schwall gelaufen war. Dieser Sachverhalt entging im ersten Moment seiner Aufmerksamkeit, war er doch zu fasziniert von dem Anblick der Umgebung. Als dann nach kurzer Zeit eine Temperaturerhöhung im Schritt ihn auf die Situation hinwies, sprang er erregt auf der Wiese herum. Lederhosen halten halt was aus. Ein paar mal draufgeklopft und es war aus. Aber eine Pfütze war noch im Kanister. Jetzt kam das „Grande Finale“. Der Behälter wurde über den Kopf im Kreis geschwenkt. Der brennende Sprit flog nur so. Selbst im nahestehenden Baum brannte es. Flammendes Inferno Live! Brother betrachtete zufrieden sein Werk und blies den brennenden Kanister wie gehabt mit der Kraft seiner Lungen aus. 

Das Lagerfeuer hatte sich erholt, der Abend war gerettet und unwiederbringliche Videos im Kasten. 

Diese zeigte ich zum einen beim Kameradschaftsabend der Feuerwehr. Selbst ausgebildete Berufsfeuerwehrleute kommentierten die Szenen mit: “Das gibt’s nicht!“ „Unglaublich“, und die kennen sich wirklich aus!

Das Video wurde natürlich auch beim Clubabend der Motorradfahrer gezeigt. Man muß hier zum besseren Verständnis ausführen, daß es im Club unterschiedliche Charaktere gibt. Die einen gehen irgendwann ins Bett, sind halt „anständige“ Motorradfahrer, die anderen feiern bis zum Umfallen, bleiben teilweise am Feuer liegen, genießen sozusagen ihr Leben, bis die körperlichen Funktionen versagen. Dem beschriebenen Personenkreis war das Video nichts neues, aber amüsant. Es hat eigentlich alle begeistert, bis einer einwarf: “Und wir schlafen da nebendran!“

Mit dieser Aussage wurden die „anständigen Motorradfahrer“, gerade noch erheitert, von der Realität eingeholt.

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